Trennung, neue Partnerschaft, Kinder aus zwei Ehen: In vielen Familien ist das Alltag. Trotzdem tun fast alle Stammbaum-Vorlagen so, als hätte jeder Mensch nur ein Paar im Leben. Dieser Ratgeber zeigt Fall für Fall, wie Sie jede Situation sauber zeichnen, ohne Durchstreichen, ohne leere Geisterfelder und ohne jemanden zu verletzen. Die fünf Stammbäume unten wurden mit dem Editor von Feuillane gezeichnet, die Personen sind erfunden.

Der Grundsatz, der fast alles löst

Ein Stammbaum verbindet zwei Arten von Information, die feste Vorlagen gern vermischen.

  • Die Abstammung: Wer ist Elternteil von wem? Sie ändert sich weder durch eine Trennung noch durch eine neue Ehe.
  • Die Partnerschaften: Wer ist oder war mit wem ein Paar? Ein Mensch kann im Lauf seines Lebens mehrere haben, jede mit ihrer eigenen Linie.

Ein richtiger Stammbaum zeigt alle Partnerschaften, die für die Familie zählen, und hängt jedes Kind an die Linie seiner beiden Eltern. Alles andere ergibt sich daraus. In den Beispielen ist der kleine Kreis auf einer Partnerschaftslinie der Punkt, von dem die Kinder dieses Paares ausgehen. Eine gepunktete Linie steht für eine beendete Partnerschaft, eine durchgezogene für eine bestehende oder durch den Tod beendete.

Stiefmutter, Stiefvater und die richtigen Wörter

Im Deutschen sind die Begriffe zum Glück eindeutig, man muss sie nur auseinanderhalten.

  • Stiefvater, Stiefmutter (zusammen: Stiefelternteil): der Partner oder die Partnerin Ihres Vaters oder Ihrer Mutter.
  • Schwiegervater, Schwiegermutter: die Eltern Ihres Ehepartners. Das hat mit einer Patchworkfamilie nichts zu tun.
  • Halbbruder, Halbschwester: ein Elternteil gemeinsam.
  • Stiefbruder, Stiefschwester: kein Elternteil gemeinsam, also das Kind des Partners Ihres Elternteils.

Das Wort Patchworkfamilie ist das gebräuchliche, in Behörden und Studien liest man auch Stieffamilie. Gemeint ist dasselbe.

Fall 1: eine Trennung, eine Stiefmutter, eine Halbschwester

Stammbaum einer Patchworkfamilie: Katrin Weber und Jonas Becker, gepunktet verbunden (2008 – 2016), Eltern von Lena und Paul Becker; Jonas Becker und Selin Arslan, seit 2019, Eltern von Mia Becker
Lena und Paul stammen aus dem ersten Paar, Mia aus dem zweiten. Jonas steht in der Mitte, mit einer Partnerschaft auf jeder Seite. Dieses Beispiel im Editor öffnen

Das ist die häufigste Situation. Katrin und Jonas haben Lena und Paul bekommen und sich 2016 scheiden lassen. Jonas ist seit 2019 mit Selin verheiratet, und die beiden haben Mia. Im Stammbaum steht Jonas in der Mitte: links von ihm die erste Ehe, gepunktet und mit den Jahren „2008 – 2016“, rechts seine heutige Ehe. Lena und Paul hängen an der ersten Linie, Mia an der zweiten.

Man sieht sofort: Mia ist die Halbschwester von Lena und Paul, denn sie haben nur einen Elternteil gemeinsam. Selin ist die Stiefmutter der beiden Älteren. Sie steht in deren Stammbaum an ihrem richtigen Platz, ohne den von Katrin einzunehmen. Möchte Lena zeigen, wie nah ihr Selin ist, sagt eine Notiz im Feld („hat mich jedes zweite Wochenende mit großgezogen“) das besser als ein verschobenes Feld.

Fall 2: Stiefgeschwister

Patchwork-Stammbaum mit vier Erwachsenen in einer Reihe: Anja Braun und Markus Schmitt, gepunktet (2007 – 2015), Eltern von Tim und Emma Schmitt; Markus Schmitt und Katrin Weber, seit 2018, Eltern von Lina Schmitt; Katrin Weber und Jonas Becker, gepunktet (2008 – 2016), Eltern von Lena und Paul Becker
Tim und Emma auf der einen Seite, Lena und Paul auf der anderen: kein gemeinsamer Elternteil. Lina verbindet alle vier. Dieses Beispiel im Editor öffnen

Diesmal bringen beide Erwachsenen des neuen Paares Kinder mit. Markus hat Tim und Emma mit Anja. Katrin hat Lena und Paul mit Jonas. Markus und Katrin leben seit 2018 zusammen, ohne Trauschein, und 2021 kam Lina auf die Welt.

Tim, Emma, Lena und Paul wohnen einen Teil der Zeit unter einem Dach, haben aber keinen Elternteil gemeinsam. Sie sind Stiefgeschwister, das Wort „Halbbruder“ wäre hier falsch. Lina dagegen ist die Halbschwester aller vier. Der Stammbaum zeigt das ohne Legende: Die vier Älteren stammen aus zwei verschiedenen Paaren an den beiden Enden der Reihe, Lina aus dem Paar in der Mitte.

An diesem Fall scheitern Papiervorlagen, weil zwei Menschen mit je zwei Partnerschaften in einer Reihe stehen müssen. Auf Papier nehmen Sie ein A3-Blatt quer und setzen das neue Paar in die Mitte, jeden neben seinen früheren Partner.

Fall 3: ein verstorbener Elternteil, dann eine neue Ehe

Stammbaum: Klaus Wagner in der Mitte, rechts verheiratet mit Ingrid Fischer (1952 – 1990, verstorben) von 1974 bis 1990, Eltern von Sabine und Thomas Wagner; links seit 1994 mit Renate Koch, Mutter von Julia Wagner
Ingrid behält ihr Feld und ihre beiden Jahreszahlen. Die zweite Ehe von Klaus steht auf der anderen Seite. Dieses Beispiel im Editor öffnen

Klaus hat 1974 Ingrid geheiratet. Sie bekamen Sabine und Thomas. Ingrid ist 1990 gestorben. Klaus hat 1994 Renate geheiratet, und die beiden haben Julia. Die Ehe von Klaus und Ingrid trägt ihre Jahre, 1974 – 1990, und bleibt eine durchgezogene Linie: Sie endete durch den Tod, nicht durch eine Trennung. Ingrids Feld zeigt ihr Geburts- und ihr Sterbejahr.

Zwei Fehler kommen hier oft vor. Der erste: Ingrid verschwindet, weil Renate die Kinder großgezogen hat. Der Stammbaum zeigt aber die Abstammung, nicht, wer sich um wen gekümmert hat. Der zweite: Julia wird „der Einfachheit halber“ an das erste Paar gehängt. Julia ist die Halbschwester von Sabine und Thomas, und die Linie muss das zeigen. Familienforscher begegnen diesem Muster in fast jeder Generation früherer Jahrhunderte, als nach dem Tod eines Ehepartners oft rasch wieder geheiratet wurde.

Fall 4: Adoption

Stammbaum: Anna und Stefan Hoffmann, verheiratet seit 2005, Eltern von Leon und Sara Hoffmann; die Linie zu Sara, die adoptiert wurde, ist gestrichelt
Sara steht an ihrem Platz unter den Geschwistern. Nur ihre gestrichelte Linie zeigt die Adoption. Dieses Beispiel im Editor öffnen

Anna und Stefan haben Leon bekommen und später Sara adoptiert. Im Stammbaum steht Sara wie ihr Bruder unter demselben Paar. Der einzige Unterschied ist die Art der Linie, sie ist gestrichelt. Die Verbindung ist vollständig, ihre Form wird nur vermerkt, so wie man ein Datum vermerkt.

Sollen die leiblichen Eltern erscheinen? Das entscheidet die Familie, und oft das Kind selbst, sobald es alt genug ist, darüber zu sprechen. Der Stammbaum kann beides: Die leiblichen Eltern können an anderer Stelle auf der Seite stehen, mit einer zweiten Linie zum Kind, oder gar nicht vorkommen. Im Editor wählen Sie für jedes Kind unter „Abstammung“ die Art der Verbindung: leibliches Kind, Adoptivkind oder Pflegekind.

Dasselbe gilt, wenn ein Stiefelternteil das Kind des Partners adoptiert, was in Patchworkfamilien vorkommt. Der Stammbaum zeigt dann die Linie zum Stiefelternteil als Adoption. Was mit der Linie zum anderen leiblichen Elternteil geschieht, hängt von Ihrer Familiengeschichte ab: Behalten Sie sie, wenn sie Ihnen wichtig ist.

Fall 5: zwei Patchwork-Haushalte

Stammbaum: Sophie Keller und Felix Neumann in der Mitte, gepunktet (2010 – 2015), Eltern von Jakob Neumann; links Sophie Keller mit Miriam Schulz seit 2018, Eltern von Ella Keller; rechts Felix Neumann mit Hannah Wolf seit 2017, Eltern von Noah Neumann
Jakob in der Mitte, zwischen seinen Eltern. Beide haben eine neue Familie, mit je einem Kind auf jeder Seite. Dieses Beispiel im Editor öffnen

Sophie und Felix haben Jakob bekommen und sich dann getrennt. Sophie hat Miriam geheiratet, und die beiden haben Ella. Felix lebt mit Hannah zusammen, die beiden haben Noah. Jakob hat also zwei Zuhause, eine Halbschwester und einen Halbbruder, die untereinander nicht verwandt sind.

Das Layout, das funktioniert: das ursprüngliche Paar in der Mitte, jede neue Partnerschaft nach außen. Jakob hängt an der mittleren Linie, Ella und Noah an den Linien am Rand. Aus Jakobs Sicht liest sich der Stammbaum ganz einfach: seine Mutter und ihre Frau Miriam, sein Vater und dessen Partnerin Hannah. Der Stammbaum sagt nicht mehr als die Tatsachen, und gerade deshalb können alle damit leben.

Fehler, die Sie vermeiden sollten

  • Einen Elternteil weglassen, weil er fehlt oder kein Kontakt mehr besteht. Der Stammbaum zeigt, woher man kommt. Ist das Thema heikel, genügt ein Feld mit einem Vornamen.
  • Den Stiefelternteil an die Stelle des anderen Elternteils setzen. Das verwirrt die Kinder und die späteren Generationen.
  • Alle Kinder an dieselbe Linie hängen. Dann geht der Unterschied zwischen Geschwistern und Halbgeschwistern verloren, und genau der ist die nützliche Information.
  • Die Jahre der Partnerschaften vergessen. „2008 – 2016“ an einer Linie ersetzt eine lange Erklärung.
  • Um jeden Preis einen „ordentlichen“ Stammbaum wollen. Eine Patchworkfamilie ist ordentlich. Zu klein war nur die Vorlage.

Auf Papier oder online

Auf Papier beginnen Sie mit der Vorlage für die Patchworkfamilie: Sie sieht einen Elternteil mit zwei Partnerschaften vor. Für eine größere Familie nehmen Sie ein A3-Blatt, setzen die Erwachsenen mit mehreren Partnerschaften in die Mitte, schreiben mit Bleistift und lassen an jedem Ende der Reihe Platz.

Der Editor von Feuillane wendet diese Regeln von selbst an: mehrere Partnerschaften pro Person, jedes Kind am richtigen Paar, gepunktete Linien für beendete Partnerschaften, gestrichelte für Adoptionen, und bei jeder Änderung ein neues Layout. Ein Kind am falschen Paar korrigieren Sie mit zwei Klicks, ohne etwas neu zu zeichnen. Jedes Beispiel auf dieser Seite lässt sich über seinen Link im Editor öffnen. Nehmen Sie das, das Ihrer Familie am ähnlichsten ist, und ändern Sie die Namen. Das ist kostenlos, ohne Konto, und der Stammbaum bleibt in Ihrem Browser.

Für die Schule gibt es im Set für den Unterricht ein Arbeitsblatt zur Patchworkfamilie und ein freies Blatt, die Sie an alle Kinder verteilen können, ohne Unterschied.

Den Stammbaum einer Patchworkfamilie zeichnen

  1. Die Partnerschaften auflisten. Notieren Sie für jeden Erwachsenen seine Paare nacheinander, mit den Jahren.
  2. Jedes Paar auf eine Linie setzen. Wer zwei Partnerschaften hatte, bekommt zwei Linien, eine auf jeder Seite.
  3. Die Kinder dem richtigen Paar zuordnen. Jedes Kind hängt an der Linie seiner beiden Eltern.
  4. Die Verbindungen unterscheiden. Gepunktet für eine beendete Partnerschaft, gestrichelt für eine Adoption.
  5. Mit den Kindern gemeinsam prüfen. Schauen Sie, ob sich jedes Kind wiederfindet und seinen Platz stimmig findet.

Häufige Fragen

Gehört der Stiefvater oder die Stiefmutter in den Stammbaum?

Wenn die Person für das Kind wichtig ist, ja. Sie steht neben dem Elternteil, verbunden durch eine eigene Partnerschaftslinie. So zeigt der Stammbaum die gelebte Familie, ohne die Abstammung zu verwischen.

Was ist der Unterschied zwischen Halbbruder und Stiefbruder?

Ein Halbbruder hat einen Elternteil mit Ihnen gemeinsam. Ein Stiefbruder hat keinen: Er ist das Kind des neuen Partners oder der neuen Partnerin Ihres Elternteils. Im Stammbaum stammt der erste von einem Paar ab, zu dem Ihr Elternteil gehört, der zweite nicht.

Wie zeigt man eine Scheidung im Stammbaum?

Beide Personen bleiben nebeneinander. Die Linie zwischen ihnen wird gepunktet und trägt Anfangs- und Endjahr. Die Kinder bleiben an dieser Linie.

Wie stellt man eine Adoption dar?

Mit einer anderen Abstammungslinie, gestrichelt. Das Kind steht an seinem Platz unter den Geschwistern, nur die Linie zeigt die Art der Verbindung.

Gehört ein verstorbener Elternteil in den Stammbaum?

Ja. Er behält sein Feld mit Geburts- und Sterbejahr. Hat der andere Elternteil wieder geheiratet, kommt die neue Ehe auf die andere Seite.

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